Ordenskette Teil 2

Inhaltsverzeichnis
© Hartmut G. Streng
II. Teil

2. Zur Wahl des Schwanensymbols. Zus├Ątzliche Annahmen.

2.1 Die ├ťberlieferung der Artus- und Gralssagen sowie das Gedenken an Gottfried von Bouillon im Fr├Ąnkischen Bereich 1400/1440.

2.2 Die altfranz├Âsische Schwanenrittersage, verkn├╝pft mit Gottfried von Bouillon.

2.3 Die ersten beiden Kurf├╝rsten (Friedrich I. und Friedrich II.) und das Herzoghaus Kleve. Begegnungen und Beziehungen.

2.4 Die ├ťberlieferte symbolische Bedeutung des Schwanes im Blickfeld des Ordensstifters (Friedrich II.)

2.5 Der Ansbacher Schwanenritterordens-Altar, ebenso wie einst die Ordenskette, Zeuge der verbindenden Wirkung unserer Gesellschaft zwischen Nord und S├╝d.

II. TEIL

2. Zur Wahl des Schwanensymbols.
Zus├Ątzliche Annahmen.

Wir haben uns bei unseren Ausf├╝hrungen bisher ausschlie├člich an beweisbare Tatsachen gehalten. Jedoch m├Âchten wir nicht darauf verzichten, erg├Ąnzend eine Reihe von Annahmen hinzuzuf├╝gen. Diese werden zwar die gesicherte ├ťberlieferung nicht vervollst├Ąndigen k├Ânnen, sie werden uns jedoch Gelegenheit geben, auf verschiedene Weise den kulturgeschichtlichen Hintergrund f├╝r den Ordensgr├╝nder, Kurf├╝rst Friedrich II., f├╝r seine Stiftung und f├╝r seine so bedeutungsschwere Ordenskette zu skizzieren.

2.1 Die ├ťberlieferung der Artus und Gralssagen sowie das Gedenken an Gottfried von Bouillon im fr├Ąnkischen Bereich um 1400/1440

Wie der Chronist23) berichtet, wird am 25./26. Mai 1434 auf dem gro├čen Markt zu N├╝rnberg ein "scharfes Rennen" gehalten. Markgraf Friedrich kommt auch gen N├╝rnberg, um diesem Turnier zuzuschauen.

Beim Turnier besiegt Anselm von Rosenberg den Parcival Aichberger, Spro├č eines alten Adelsgeschlechts. Wohl allen, die im Turnier streiten, und den meisten Zuschauern kommt beim Auftreten dieses Parcival das Heldenepos des Minnes├Ąngers Wolfram, die Parcival-Dichtung, in Erinnerung. (Wolfram nennt sich ja nach seinem fr├Ąnkischen Herkunftsort "von Eschenbach " .)

Unmittelbar am N├╝rnberger Markt steht schon seit 1396 der "Sch├Âne Brunnen" , ein pr├Ąchtiges Meisterst├╝ck sp├Ątmittelalterlicher Steinmetzkunst. Die Reichsstadt hat ihren neuen Brunnen mit einer F├╝lle von Gestalten ber├╝hmter M├Ąnner

schm├╝cken lassen. Nahe ├╝ber dem Brunnenbecken stehen, in bester Sichth├Âhe, rings um den Brunnenaufbau, 16 besonders gro├če Steingestalten. Sie stellen die sieben Kurf├╝rsten und die "neun Guten Helden" dar, die als Vorbilder aller Ritterschaft gelten. Drei von ihnen, die Drei christlichen Helden, werden einst altert├╝mlich "Drei Gutchristen, Caesar Carolus, Herzog Gottfried und Kinig Artus" benannt.

Dabei l├Ą├čt sich K├Ânig Artus sogleich als eine der pr├Ąchtigsten Heldenund Herrschergestalten aus Wolframs Parzival erkennen, w├Ąhrend Kaiser Karl der Gro├če und Gottfried von Bouillon, obwohl historische Personen, damals schon sehr starke legend├Ąre Z├╝ge erhalten haben.

Unsere Zusammenschau des Turnierk├Ąmpfers Namens Parzival mit der K├Ânig-Artus-Gestalt am Sch├Ânen Brunnen bekundet, da├č zur Zeit der Kurf├╝rsten Friedrich I. und Friedrich II. sowohl in der ritterlichen Gesellschaft als auch im Patriziat die Vorstellung von heldenhaften Rittern aus dem Kreise der Artuslegende noch sehr lebendig ist.

Das um so mehr, als ├╝berliefert ist, da├č Kurf├╝rst Friedrich I. seinerzeit gesonnen ist, "wie Kunig Artus Hof zu halten"25), und als sp├Ąterhin auch einer seiner S├Âhne, Albrecht Achilles, bem├╝ht ist, wie K├Ânig Artus eine Tafelrunde zu halten. Dabei ist kaum daran zu zweifeln, da├č bei unserem burggr├Ąflichen und kurf├╝rstlichen Haus, sowohl in Franken als auch in der Mark Brandenburg, auch die Sage vom Gral und die Erz├Ąhlung vom Parzivalsohn und Gralsritter Lohengrin mit seinem Gef├Ąhrten, dem Schwan, ebenso gut bekannt sind wie die historische ├ťberlieferung ├╝ber Gottfried, dem Besch├╝tzer des heiligen Grabes.

Die Aufnahme Gottfrieds von Bouillon in das Vorbilder-Dreigestirn der christlichen Helden l├Ą├čt erkennen, wie hoch sein Ansehen im Laufe der Zeit gesteigert wurde. Es begann wohl damit, da├č ausnahmsweise und h├Âchst ehrenhalber die Steinsarkophage mit den sterblichen ├ťberresten Gottfrieds und die seines Bruders Balduin (beide erste K├Ânige von Jerusalem) innerhalb des Grabeskirchenbereichs aufgestellt wurden.

An dieser heiligsten St├Ątte wird fernerhin die Erinnerung auch an Gottfried mit der Sitte wachgehalten, hier hergepilgerten Edelleuten einen besonderen Ritterschlag zu erteilen. Damit sind sie befugt, den Titel "Ritter vom Heiligen Grab" zu f├╝hren.

In der mittelalterlichen Gesellschaft ist man bem├╝ht, einflu├čreichen Familien und besonders den F├╝rstengeschlechtern ber├╝hmte oder legend├Ąre M├Ąnner der Vorzeit als Stammv├Ąter zuzuordnen. Ist eine solche Zuordnung einmal anerkannt, dann wird sie mit der Zeit unumst├Â├člich. Dieserart ist man davon ├╝berzeugt, da├č die Herz├Âge von Burgund, die Herz├Âge von Kleve und der Herzog von Niederlothringen, Gottfried von Bouillon, unter ihren Stammv├Ątern den legend├Ąren Schwanenritter gemeinsam haben.26)

2.2 Die altfranz├Âsische Schwanenrittersage, verkn├╝pft mit Gottfried von Bouillon.

Eine altfranz├Âsische Dichtung27) vor 1465 (sp├Ąter 1504 gedruckt), die sehr viel ├Ąltere Quellen benutzt, tr├Ągt den Titel "Le chevalier au sygne et Godefroid de Bouillon" .Danach ist Le chevalier au sygne, zu deutsch "Der Schwanenritter", ein Gro├čvater von Gottfried von Bouillon. Daher wird ihm der gleiche Name, Chevalier au sygne, zuerkannt mit dem Zusatz "cruce signatus" (der mit dem Kreufahrerkreuz Bezeichnete).

Wir stellen voran, da├č auch der Ritter Roger de Toeni historisch ├╝berliefert ist (+ 1040), der einen Schwan im Wappen f├╝hrt.

In Spanien tritt er f├╝r eine bedr├Ąngte adelige Dame im Zweikampf mit ihrem Widersacher ein. Er erh├Ąlt die Tochter zum Ehebund. Beider Enkelin wird sp├Ąter die Gemahlin von Balduin von Bouillon, dem Bruder Gottfrieds.

Der erw├Ąhnte Roman und seine sehr viel ├Ąlteren Quellen berichten in zahlreichen Abwandlungen m├Ąrchenhafte Ereignisse. Sieben K├Ânigskinder werden gleichzeitig geboren, dabei tr├Ągt jedes Kind eine goldene Kette um den Hals. Die Ketten werden von d├Ąmonischen M├Ąchten geraubt, worauf die Geschwister in Schw├Ąne verwandelt werden. Eine der Goldketten wird eingeschmolzen, jedoch werden sechs Ketten, auf wunderbare Weise, den Schw├Ąnen zur├╝ckgegeben. Alle, bis auf den j├╝ngsten Bruder, dessen Kette fehlt, gewinnen wieder Menschengestalt. Der ├älteste, Helias genannt, beh├Ąlt seinen j├╝ngsten Bruder, den Schwan, als st├Ąndigen Gef├Ąhrten an seiner Seite.

Helias w├Ąchst zu einem starken und mutigen Ritter heran. Er befreit seine Mutter im Zweikampf von ihrem Verleumder. Auf Gehei├č eines Engels begibt er sich mit dem Schwan ins ferne Land Brabant, wo er die verwaiste Herzogin wiederum im Zweikampf von ihren Gegnern freimacht. Die Tochter der Herzogin wird ihm zur Gemahlin gegeben. Beider Enkel ist sp├Ąter Gottfried von Bouillon.

Wolfram von Eschenbach entnimmt den Stoff zu seiner Lohengrin-Erz├Ąhlung den gleichen altfranz├Âsischen Quellen. Wolfram gibt jedoch dem Gral, der Gralsburg, den Gralsrittern und auch dem Schwan sehr starke magischen Eigenschaften. So bringt (oder f├╝hrt?) der Schwan Lohengrin in das ihm unbekannte Brabant. Nach Jahren erscheint der Schwan zu dem Zeitpunkt, da sein Ritter Brabant wieder verlassen mu├č. Und der Schwan bringt ihn auf unbekannten Wegen, ├╝ber Land und Meer, wieder zur verborgenen Gralsburg zur├╝ck. ├ähnliches gilt ├╝brigens auch f├╝r den Schwan des Helias.

Sowohl der historische Ritter mit dem Schwanenwappen als auch Ritter Helias mit dem Schwanengef├Ąhrten (und der Schwanenjugend) werden, beide gut begr├╝ndet, jeweils "Der Schwanenritter" genannt. Gemeinsam mit dem Dritten, Lohengrin, zeigen sie ritterlichen Mut, Kraft und Hilfsbereitschaft f├╝r unschuldig Bedr├Ąngte.

Ihre erprobte Ritterlichkeit genie├čt einst hohes Ansehen. Dies wird ganz besonders auf Gottfried von Bouillon ├╝bertragen und noch gesteigert, weil er der Befreier und Besch├╝tzer des Heiligen Grabes ist. Er wird nun f├╝r die Nachwelt zum leuchtenden Vorbild christlicher Ritterschaft. Damit wird auch das Kennzeichen seine zumeist sagenhaften Schwanenritter-Stammvaters, der Schwan, zum Symbol f├╝r das Vorbild der ritterlichen Tugenden.

2.3 Die ersten beiden Kurf├╝rsten (Friedrich I. und Friedrich II.) und das Herzoghaus Kleve.
Begegnungen und Beziehungen .

Es darf nicht ├╝bergangen werden, da├č die erw├Ąhnte altfranz├ľsische Dichtung (vor 1465) "Le chevalier au Sygne et Godefrois de Bouillon" f├╝r die Herzoginwitwe Maria von Orleans verfa├čt wurde. 28) Ihre Hochzeit mit dem Herzog Karl von Orleans wird zuvor, 1440, sehr pr├Ąchtig in St. omer29) bei Br├╝ssel gefeiert. Als Maria von Kleve ist sie eine Tochter des Herzogs Adolf I. von Kleve und seiner Gemahlin in zweiter Ehe, Maria von Burgund. Seine erste Gemahlin, Agnes von der Pfalz, war nach nur einj├Ąhriger Ehe, 1401, fr├╝h gestorben.

Diese Agnes ist eine Base unseres Ordensstifters, n├Ąmlich die Tochter seiner viel ├Ąlteren Tante, der Burggr├Ąfin Elisabeth und des Pfalzgrafen Rupprecht bei Rhein, des sp├Ąteren deutschen K├Ânigs. Diese weitl├Ąufige Familienbeziehung liegt zwar in der Zeit vor 1440 schon weit zur├╝ck, ist aber jedenfalls bei den Eltern unseres Ordensstifters und den Eltern von Maria von Kleve sicherlich noch recht lebendig. Infolge der zeitlichen Generationsverschiebung ist indessen Maria (nur) 13 Jahre j├╝nger als Friedrich II.

Es f├╝gt sich nun, da├č die Hochzeit Orleans/Kleve am 26. November 1440, kaum zwei Monate sp├Ąter, stattfindet, als Friedrichs II. seinen Stiftungsbrief unterzeichnete (29. September 1440). Daher fallen die Zeitspannen der vorbereitung (mit ├Âffentlicher Verlobung) des pr├Ąchtigen Hochzeitsfestes mit der vielf├Ąltigen Vorarbeit an der Stiftung der Gesellschaft auf eine l├Ąngere Zeitdauer tats├Ąchlich zusammen. W├Ąhrenddessen wird in franz├Âsischen und deutschen Hofkreisen, auch in Franken und in der Mark, lebhaft ├╝ber die bevorstehende Hochzeit und auch die Abstammung der f├ťrstlichen Verlobten gesprochen. Dies um so mehr, als zu dieser Zeit ihr Vater Herzog Adolf I. von Kleve, in seinem Machtbereich am Niederrhein noch regiert (+ 1448).

Es interessiert vielfach besonders die doppelte Herkunft der Braut, Maria von Kleve, vom sagenhaften Schwanenritter, n├Ąmlich v├Ąterlicherseits ├ťber Kleve, m├╝tterlicherseits ├╝ber Burgund. Und dabei kommt die Sprache auch auf Gottfried von Bouillon, den Chevalier au Sygne, von derselben Abstammung.

Auch auf eine andere, jedoch sehr eindrucksvolle Weise wird unser Ordensstifter, sechs Jahre, bevor er seinen Stiftungsbrief verfa├čt, auf das ihm weitl├Ąufig verschw├Ągerte Klever Herzoghaus, mit dem Schwan als Abstammungszeichen, aufmerksam gemacht. Denn durch Erla├č des Kaisers Sigmund am MichaeIstag 1434 wird er zum Protektor und kaiserlichen Statthalter beim Konzil zu Basel ernannt und damit zum Amtsnachfolger des Herzogs Wilhelm III von Bayern-M├╝nchen.

Dieser ist ein Vetter von Friedrichs (II.) Mutter, der Kurf├╝rstin "Sch├Ân-EIse" .Herzog Wilhelm hat, als Protektor in Basel, im Jahr zuvor (11. Mai 1433) seine pr├Ąchtige Hochzeit30) (2. Ehe) mit der jungen Margarethe von Kleve gehalten, einer ├Ąlteren Schwester der Maria (die, wie berichtet, seit 1440 den Herzog Orleans ehelichte). Von der h├Âchst feierlichen Trauung 1433 unter dem Portal des Baseler M├╝nsters vor der versammelten B├╝rgerschaft wird in der Stadt auch noch ein Jahr danach, vor allem bei den Konzils-Teilnehmern und dem Baseler Patriziat, noch sehr lebhaft berichtet.

Herzog Wilhelm III. mu├čte zuvor im August 1433 Basel verlassen, um den Kaiser auf seinen Fahrten zu begleiten. Wir haben keine urkundliche Nachricht, da├č der Herzog und sein junger Nachfolger im Protektorenamt sich in Basel begegneten. Jedoch ist ├╝berliefert, da├č Peter Rot,31) ein Sohn eines Baseler Achtb├╝rgergeschlechts, sich sp├Ąter dem Kurf├╝rsten Friedrich II. zur Pilgerfahrt ans Heilige Grab angeschlossen hat.

Die Annahme ist daher berechtigt, da├č der damals junge Markgraf Friedrich in Basel mit Peter Rot und anderen Mitgliedern des Patriziats gut bekannt wird und da├č er auf diese Weise von der eindrucksvollen Trauung seiner Verwandten erf├Ąhrt. Da├č dabei auch die Abstammung der Braut vom sagenhaften Schwanenritter zur Sache kommt, erscheint uns bei dem ├╝berlieferten Interesse der mittelalterlichen Gesellschaft f├╝r solche genaologischen Zusammenh├Ąnge (in Wahrheit und Dichtung) nahezu sicher.

Der junge Protektor mag zu dieser Zeit auch erfahren haben, da├č Herzog Wilhelm von Basel aus eine politische Reise zum Niederrhein unternommen hat. Unterwegs, am kurf├╝rstlichen Hof zu K├Âln, verlobt er sich mit Margarethe von Kleve (Datum 17.9.1432). Gleichzeitig besucht er wohl im benachbarten Pr├Ąmonstratenserstift Bedburg die damals dort befindlichen Grabm├Ąler der Ahnen seiner Braut, mit Schw├Ąnen zu F├╝├čen der F├╝rstengestalten. Wir haben keine Beweise f├╝r den Verlauf eines Reiseabstechers Wilhelms nach Bedburg -eine solche Annahme dr├Ąngt sich jedoch im Gesamtzusammenhang geradezu auf.

Wir k├Ânnen durchaus voraussetzen, da├č der junge Markgraf Friedrich schon fr├╝h -sp├Ątestens im Zeitraum seiner R├╝ckkehr vom polnischen K├Ânigshof und seinem Amtsantritt in Basel -mehrfach von seinen Eltern ├╝ber die langj├Ąhrigen Beziehungen des Burggrafenhauses zum Herzoghaus in Kleve unterrichtet ist. Dabei sind f├╝r den v├Ąterlichen Kurf├╝rsten Friedrich I. und der Kurf├╝rstin "Sch├Ân-EIse" (Tochter des Herzogenhauses Bayern-Landshut) die l├Ąngst zur├╝ckliegenden Jahre 1400 und 1401 als besonders ergebnisreich im Ged├Ąchtnis geblieben. Wie erw├Ąhnt, wird 1400 Friedrichs Nichte Agnes dem Adolf von Kleve (damals noch Graf) verm├Ąhlt.

Schon im folgenden Jahr erweckt der fr├╝he Tod der jungen Ehefrau weithin Aufsehen. Jedoch reicht Anfang dieses Jahres 1401 (16. Januar) die Schwester des Grafen Adolf, Elisabeth von Kleve, dem Herzog Stephan III. von Bayern-IngoIstadt ( einem Onkel von "Sch├Ân-EIse" ) die Hand zum Ehebund. Der Herbst dieses Jahres 1401 bringt am 18. September die Verm├Ąhlung des Burggrafen Friedrich (Kurf├╝rst Friedrich I.) eben mit Elisabeth ( "Sch├Ân-EIse" ) .Diese sich nahe aufeinanderfolgenden Ereignisse, die die F├╝rstenh├Ąuser von Kleve und auch von Bayern betreffen, sind Gespr├Ąchsstoff an den deutschen F├╝rstenh├Âfen. Es ist gleichzeitig auch bekannt32), da├č der h├Âchst gewandte und prachtliebende Herzog Stephan III., unmittelbar vor seiner Eheschlie├čung, seine Tochter K├Ânigin von Frankreich "La belle Isabeau de la Baviere" in Paris besucht und nat├╝rlich ├╝ber seine bevorstehende Heirat mit Elisabeth von Kleve berichtet.

Dabei kann es vermutlich nicht ausbleiben, da├č die franz├ľsische Hofgesellschaft dem Bayernherzog die altfranz├Âsischen Sagen vom Chevalier au Sygne, dem Schwanenritter, nahebringt, dem, wie damals allgemein geglaubt, Ahnherrn seiner Klever Braut.

Kurz nach seiner Hochzeit feiert Herzog Stephan III. auch am verwandten Herzoghof zu M├╝nchen seine Verm├Ąhlung mit einem Turnier. Damals er├Âffnet der neue gekr├Ânte K├Ânig Rupprecht am 2. Februar 1401, f├╝r die Dauer bis M├Ąrz, seinen ersten Reichstag in N├╝rnberg. Im Rahmen der Festlichkeiten wird zu Fastnacht ein glanzvolles Turnier geritten, bei dem Herzog Stephan III. mit seinen S├Âhnen sich beteiligt, ebenso wie der Sohn des K├Ânigs.

Beim Turnier zu M├╝nchen und bei den Festen zu N├╝rnberg vers├Ąumt der auf Repr├Ąsentation bedachte Bayernherzog wohl sicherlich nicht, von seiner Verm├Ąhlung mit Elisabeth von Kleve zu erz├Ąhlen und dabei an ihre sagenhafte Abstammung vom Schwanenritter zu erinnern. Das um so mehr, als damals der Graf Adolf von Kleve, der Bruder der neuen Gemahlin Stephans und zu dieser Zeit auch der Schwiegersohn von K├Ânig Rupprecht, ist.

Die von den Pariser Gespr├Ąchen befl├╝gelten Schilderungen sind auch f├╝r das Burggrafenhaus von besonderem Interesse, weil Stephan III. ein Onkel von "Sch├Ân-EIse" und ihre Mutter (damals noch am Leben) eine Schwester der ersten Gemahlin Stephans ist. Ein ├Ąhnlich lebhaftes Interesse f├╝r diese verwandtschaftlichen Verflechtungen wird sicherlich erweckt, als K├Ânig Sigmund auf dem Konstanzer Konzil am gleichen Tage, dem 18. April 1417, den Grafen Adolf von Kleve zum Herzog erhebt und den Burggrafen Friedrich die Belehnung mit der Mark Brandenburg und damit die Anwartschaft auf die Kurw├╝rde erteilt.

Vermutlich werden beide Ereignisse damals im Kreise der in Konstanz versammelten F├╝rsten geb├╝hrend gefeiert, und bei der f├Ąlligen Laudatio f├╝r den neuerhobenen Herzog d├╝rfte wohl in diesen Tagen auch die sagenhafte Herkunft Adolfs vom Schwanenritter besonders hervorgehoben werden.

Da├č der Herzog selbst diese Abkunft f├╝r unbedingt wahrh├Ąlt, beweist die steinerne Tumba, die er in jenen Jahren als Grablege f├╝r seine Eltern von bester Meisterhand gestalten l├Ą├čt. Obenauf liegt zu F├╝├čen der v├Ąterlichen Grafengestalt ein stattlicher Schwan als Abstammungssymbol. (In der Klever Stiftskirche, wissenschaftliche Datierung von 1400 bis 1420.)

Um diese Standeserh├Âhung am gleichen Tage kn├╝pfen die pers├ľnlichen Beziehungen der beiden F├╝rsten zuk├╝nftig noch enger, als es die verwandtschaftliche Beziehung seit 1400 ohnehin schon bewirkt.

Unter diesen (etwas schwierigen) Umst├Ąnden sehen wir "Sch├Ân Else", die als sehr gebildete F├╝rstin ger├╝hmt wird, als die Bewahrerin aller Beziehungen auch zum Hause Kleve an. Sie wird sp├Ąter im Verein mit ihrem Gemahl Friedrich I., dem Sohn, unserem Ordensstifter Friedrich (II.), diese Kenntnisse ├╝bermitteln.

2.4 Die ├╝berlieferte symbolische Bedeutung des Schwanes im Blickfeld des Ordensstifters (Friedrich II.)

In den Gedanken Friedrichs (II.) werden indessen die mehrfachen Beziehungen zum (vordem umschriebenen) Schwanensymbol immer reger. Insbesondere richtet sich sein Interesse auf Gottfried von Bouillon und seinen Schwan, Kennzeichen aus einem wichtigen Grund.

Vor f├╝nf Jahren, 1435, hat Kurf├╝rst Friedrich I., der Vater zur F├Ârderung der Marienverehrung, ein pr├Ąmonstratenserkloster neben der alten Wallfahrtskirche auf dem Marienberg bei Brandenburg gestiftet. Die schon l├Ąngst vorbereitete Urkunde unterzeichnet er am Michaelstag 1435, an demselben Tag, an dem seine S├Âhne Johann und Albrecht (Achilles) von ihrer gef├Ąhrlichen Pilgerfahrt ins Heilige Land wohlbehalten und als neue Ritter vom Heiligen Grab zur├╝ckkehren.33)

Somit flie├čen in die Stiftung, unausgesprochen, die verehrung des Erl├Âsers und seines Heiligen Grabes, die Erinnerung an dessen Besch├╝tzer und der Dank f├╝r die Bewahrung der Kurf├╝rstens├ľhne mit ein. Friedrich II. kn├╝pft nun mit seiner neuen Stiftung seiner Gesellschaft an die v├Ąterliche Stiftung an, indem er dem Kloster auf dem Berge die Seelsorge und die Verwaltungsarbeit f├╝r die Gesellschaft ├╝bertr├Ągt. Er macht dies ausdr├╝cklich deutlich, indem er f├╝r die Unterzeichnung seines Stiftungsbriefes den gleichen Jahrestag wie vordem sein Vater w├Ąhlt, n├Ąmlich den Michaelstag 1440. Da├č er da auch die Tradition der v├Ąterlichen Stiftung weiterf├ťhren will, beweist Friedrich II. durch die Wahl der Rotundenform - der Form der Grabeskirche zu Jerusalem - f├╝r die Ordenskapelle seiner Gesellschaft, die er an die alte Marienkirche anbauen l├Ą├čt. Damit schafft er sich gleichsam, schon zu dieser Zeit, ein steinernes Wunschbild eines seiner dringendsten Lebensziele. Denn die weite Pilgerfahrt zum Heiligen Grab hat er sich schon l├Ąngst f├╝r einen k├╝nftigen geeigneten Zeitpunkt vorgenommen. (Und in der Folgezeit, im Jahre 1453, wird er dann sein Vorhaben auch tatkr├Ąftig verwirklichen.)

F├╝r beide Stiftungen ist jeweils die Einwilligung und kirchliche Genehmigung des Pr├Ąmonstratenserbischofs von Brandenburg notwendig. Das ist in beiden F├Ąllen der lange (1421-1459) wirkende Bischof Stephan Bodeker, dessen Grabmal34) heute noch im Brandenburger Dom den bedeutenden Kirchenf├ťrsten zeigt, wobei im Hintergrund mehrere B├╝cher erkennbar sind. Denn dieser Bischof ist damals ein gelehrter Herr, von dem auch ein kirchliches Stundenbuch erhalten ist. Wir zweifeln nicht daran, da├č er auch in den genealogischen Beziehungen der Herzogh├Ąuser und des Gottfried von Bouillon bewandert ist. Und da├č er auch von dem sagenhaften Schwanenritter und von der ritterlichen Ausdeutung des Schwanensymbols wei├č.

Auch ist nicht auszuschlie├čen, da├č er aus eigener Anschauung oder aufgrund von Berichten die ehemalige Grablege der Klever Grafen in der Pr├Ąmonstratenserabtei zu Bedburg bei K├Âln kennt und damit auch die steinernen Grabm├Ąler von Klever Grafen, deren Gestalten zu F├╝├čen nicht den ├╝blichen L├Âwen, sondern einen stolzen Schwan zeigen.

Wir vermuten, da├č der Bischof den Kurf├╝rsten Friedrich II. bei der Abfassung des Stiftungsbriefes (und auch sp├Ąter bei den Statuten) ber├Ąt. Dabei r├Ąt er offensichtlich von der Deutung des Schwanes als Symbol vorbildicher Ritterschaft ab, da ihm der magische Anklang als heidnisch mi├čf├Ąllt.

Und es gelingt dem Bischof, den sehr sensiblen Ordensstifter zu der Deutung als "MEMENTO MOR1" umzustimmen. Denn Friedrich steht immer noch unter dem ersch├╝tternden Eindruck des Sterbens seiner fr├╝heren polnischen Verlobten Hedwig und nunmehr in der Sorge um ein Hinscheiden seines Vaters.

Diese vermutete Umdeutung k├Ânnte eine Entsprechung sein zur bekannten nachtr├Ąglichen Umdeutung des Zeichens des "Goldenen Vlieses" beim hohen burgundischen Orden, n├Ąmlich vom sagenhaften heidnischen Beutest├╝ck und Symbol kriegerischer Tapferkeit zum alttestamentlichen "Fell des Gideon" und damit zu einer mariologischen Bedeutung.

Im Laufe der einstigen Jahre bieten sich unserem Ordensstifter und auch seinen Eltern manche Gelegenheit auf den sagenhaften Schwanenritter und sein Schwanensymbol aufmerksam zu werden. Er gilt ja damals als der allgemein anerkannte Stammvater der herzoglichen H├Ąuser Kleve, Burgund und Niederlothringen und der Schwan als Symbol h├Âchster ritterlicher Tugenden. Wir haben hier einige besonders aufschlu├čreiche Ereignisse, Begegnungen und auch verwandtschaftliche Beziehungen zusammengestellt. Dabei ergibt sich ein dichtes Netz ineinanderverwobener Hinweise, die im gesamten Zusammenhang eine starke St├╝tze f├╝r unsere Annahme bilden. Die Annahme, da├č Friedrich II. die ├╝berlieferte Bedeutung des Schwanensymbols kennt und darum urspr├╝nglich in solchem Sinne den Schwan auch als das andere Symbol neben der Strahlenmadonna f├╝r seine Ordenskette w├Ąhlt.

Wir k├Ânnen daher unsere Annahme, ausdr├╝cklich als solche bezeichnet, durchaus als eine dritte, m├Âgliche Begr├╝ndung, einerseits der Schwan mit seinem wei├čschimmernden Gefieder als Gleichnis anzustrebender Reinheit der Lebensf├╝hrung und mit seinem Schwanengesang als "memento mori" oder andererseits der Schwan, ein freier, unbezwungener Vogel als Symbol f├╝rdie freien und unbezwungenen Vorfahren der Stifter, die Sachsen und die Franken.

Kurf├╝rst Albrecht Achilles, selbst von freier und h├Âchst ritterlicher Art, hat die zuletzt erw├Ąhnte Begr├╝ndung festgelegt. Sie ist die nat├╝rlichste und treffendste. Sie ist sicherlich ganz nach dem Sinn seiner Ordensritter. Sie f├╝hlen sich in ihrer Mehrzahl, ob reich oder auch weniger beg├ťtert, zu allererst als tapfere Haudegen.

2.5 Der Ansbacher Schwanenritterordens-Altar, ebenso wie einst die Ordenskette, Zeuge der verbindenden Wirkung unserer Gesellschaft zwischen Nord und S├╝d

Wir wissen nicht, ob der Kurf├╝rst Albrecht Achilles das Schwanensymbol auf dem sogenannten Schwanenritteraltar, seiner letzten gro├čen Stiftung f├╝r unsere Gesellschaft (1484), hat anbringen lassen. Denn der gro├če Schreinaltar35), heute im ehemaligen Chor von St. Gumbertus, ist nur unvollst├Ąndig und teilweise in ver├Ąndertem Zustand auf uns gekommen. Es ist jedoch nicht auszuschlie├čen, da├č der Schwan urspr├╝nglich auf einem nunmehr verlorenen Bestandteil zu sehen war. In der Mitte des Schreins ist, lebensgro├č, die apokalyptische Jungfrau Maria und Gottesmutter mit dem Jesuskind auf dem Arm, in leuchtendem Strahlenkranz und auf dem Monde stehend, dargestellt. Sie entspricht damit dem Marienbild unseres Marienmedaillons der Ordenskette.

Den Altarschrein fassen rechts und links schmale Reliefleisten ein, auf denen jeweils auf einer Seite die Apostelf├ťrsten Petrus und Paulus eingef├╝gt sind. Wir vermuten dabei die Beziehung zu der von uns angenommenen Mariengestalt in der Ordenskapelle auf dem Marienberg bei Brandenburg. Denn den beiden Apostelf├╝rsten ist der ehrw├╝rdige Dom zu Brandenburg geweiht. Auf der predella36) des Ansbacher Marienaltars hat sich, beiderseits einer Pieta, Kurf├╝rst Albrecht Achilles und seine Gemahlin Anna darstellen lassen.

Obwohl dem Kurf├╝rstenpaar eine ganze Anzahl von Kinder geschenkt sind, sind diese, entgegen der damaligen Sitte, nicht mit den Eltern ins Bild gebracht.

Wie bei einer Audienz bei der Himmelsk├Ânigin sind Kurf├╝rst und Kurf├╝rstin pr├Ąchtig gekleidet, Anna mit einer sch├Ânen goldenen Krone gekr├Ânt. Der Kurf├╝rst mit einer einfachen Kappe bedeckt, ist mit einem weiten, gespaltenen Mantel bekleidet, der die daruntergetragene R├╝stung mit besonders gro├čen Sporen zeigt.

Der Kurf├╝rst ist von zwei Gro├čw├╝rdentr├Ągern bekleidet, die .in seinem R├╝cken knien. Es ist zun├Ąchst der Erbschatzmeister

der Kurmark Johann Graf zu Lindow, Herr zu Ruppin. Er tr├Ągt den gro├čen mit Hermelin ├╝berzogenen Kurhut, zu seinen F├╝├čen das brandenburgische Adler-Wappenschild. Darauf folgt der Erzmarschall Busso von Putlitz. Er schultert das Kurschwert, hinter ihm ist sein Wappen mit der Gans sichtbar. Die Anwesenheit dieser beiden Gro├čw├╝rdentr├Ąger der Mark Brandenburg in Ansbach zeigen uns eindringlich die damaligen Verflechtungen des fr├Ąnkischen Machtbereichs mit dem der Mark Brandenburg.

Ebenso ist von einigen Rittern, die auf ihren Grabm├Ąlern unsere Ordenskette tragen, bekannt, da├č sie zeitweise von ihrem Kurf├╝rsten mit wichtigen Aufgaben in der Mark Brandenburg eingesetzt sind.

Nicht nur verantwortungsvolle Auftr├Ąge f├╝hren zeitweise Ritter aus dem s├╝ddeutschen Franken in die norddeutsche Mark und ebenso m├Ąrkische Ritter ins s├╝ddeutsche Gebiet. Vor allem ist es die Zugeh├Ârigkeit zur Gesellschaft, 1440 von Kurf├ťrst Friedrich II. gestiftet, die allm├Ąhlich das Bewu├čtsein wertvoller Verbundenheit erweckt.

An die 25 Jahre lang treffen sich, gem├Ą├č den Statuten, die Gesellen der Gesellschaft, Unserer Lieben Frauen zum Schwan mit den Gesellen, die sich urspr├╝nglich Unserer Lieben Frauen Kettentr├Ąger nennen, auf dem Marienberg zu Brandenburg.

Sie vereinen sich dort zum Lobe Gottes und der Jungfrau Maria. Die goldblinkende Gesellschaft (Ordenskette), die sie alle in gleicher Form tragen, gibt ihren Zusammenk├╝nften und Festen Glanz und Schimmer.

Die Erinnerung an diese sch├Âne Ordenskette und ihre verbindende Wirkung wollen wir heute, im leider geteilten Deutschland, besonders ehren und bewahren.

Anmerkungen

23) Die Chroniken der Deutschen St├Ądte vom 14.-16. Jahrh. 1862-1874, N├╝rnberg, Band 1-5. Seite 391 f.

24) siehe Anm. 14, Band I, Seite 368

25) August Gebessler, Ansbach, Deutscher Kunstverlag M├╝nchen/Berlin 1964, Seite 9

26) Friedrich Gorissen, 150 Jahre Landkreis Kleve 1966, u.a. Seite 27 und 35

27) Dr. Wolfgang v. Wurzbach, Geschichte des Franz├Âsischen Romans 1912, I. Band, Seite 107 ff.

28) Siehe Anm. 27, Seite 108

29) Siehe Anm. 26, Seite 56

30) August Kluckhohn, Herzog Wilhelm III. von Bayern, Forschungen zur Deutschen Geschichte 1862, 2. Band, Seite 606

31) Still., Seite 197/198

32) Siegmund von Riezler, Geschichte Baierns 1889, Band III, Seite 192 ff. (Neudruck 1964)

33) Dr. F. Geisheim, Die Hohenzollern am Heiligen Grab zu Jerusalem, Berlin 1958

34) Wie Anm. 8, Seite 47/48

35) Die blauen B├╝cher, Deutsche Plastik der Sp├Ątgotik, Abb. S. 16

36) Still., Abb. 9 + 10.

Verfasser: Friedrich Streng, Weihnachten 1988

 

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